Burschentag in Eisenach

Unsere Kritik an Burschenschaften im Allgemeinen, und an dem Dachverband „Deutsche Burschenschaft“ im speziellen, beschränkt sich nicht darauf das einzelne Burschenschaften gute Beziehungen zur rechtsextremen Szene unterhalten, bzw. selbst Teil der rechtsextremen Szene sind. Die wenigsten Studentenverbindungen sind offen neofaschistisch, derartige Positionen werden aber allzu oft von den „gemäßigten“ Verbindungen zumindest toleriert.

So ist es beispielsweise nur dem öffentlichem Druck zu Verdanken das die rechtsextreme Burschenschaft „Normannia-Nibelungen“ von der Teilnahme am diesjährigen „Bismark-Kommers“ ausgeladen wurde. Würde man die Burschis ungestört sich selbst überlassen wäre so eine öffentliche Distanzierung wohl kaum zustande gekommen. Dieser Vorgang verdeutlicht das antifaschistischer Protest selbst bis in die Burschenschaften hinein wirkt, und zumindest die „gemäßigten“ Verbindungen wie im Falle des „Bismark-Kommers“ die „AV Sparrenberg“ (kath. Verbindung aus Bielefeld) sich von Neonazis distanziert.

Sicherlich ist so etwas kein großer Erfolg, kein Durchbruch auf dem Weg in die bessere Welt. Aber ein kleiner Schritt auf dem richtigen Weg. Kontinuierliche Kritik, Öffentlichkeitsarbeit und Protest sind nötig um der rechten bis rechtsextremen „Elite“ zu begegnen.

Deshalb rufen wir alle emanzipatorischen Menschen, egal aus welchem Spektrum, auf sich am kommenden Samstag, den 18. Juni, an der Demonstration gegen den Burschentag in Eisenach zu beteiligen.

Weitere Infos zu den Protesten gegen den Burschentag in Eisenach: LINK

Allgemeine Kritik an Burschenschaften

Da wir das Rad nicht neu erfinden wollen hier eine kurze Kritik der antifaschistischen Hochschulgruppe Dresden LINK! viel schöner hätten wir es auch nicht formuliert 😉  :

1. Elitenförderung
Burschenschaften vertreten die Auffassung, dass nur durch einen Lebensbund, dessen zentrale Funktion die Reproduktion gesellschaftlicher Eliten ist, echte Akademiker_innen hervorgebracht werden. Ältere Verbindungsmitglieder, welche sich bereits materiell abgesichert haben, protegieren jüngere Mitglieder, um diese ebenfalls in höhere Positionen zu hieven.
Dies ist allerdings nicht als Selbstzweck oder Akt der Wohlfahrt misszuverstehen: Mit der Förderung einer zukünftigen Elite wird darauf abgezielt, die politische Ideologie der Burschenschafter weiterhin führend im gesellschaftlichen Diskurs zu verankern.

2. Diskriminierung

Burschenschaften zeichnen sich durch ihr besonders (hetero-)sexistisches Geschlechterbild aus: Von Männern werden klassische Rollenstereotypen wie Ehre, Stärke, Mut und Gehorsam erwartet. So gehört es beim Großteil der Burschenschaften zu den Anforderungen, Wehrdienst geleistet zu haben und sich bei den regelmäßig stattfindenden Kneipen ohne Widerrede auf Befehl halb ums Bewusstsein zu trinken.
Von diesen Freuden prinzipiell ausgeschlossen werden Nicht-“Deutsche“, Homosexuelle und Frauen – speziell deren Rolle beschränkt sich im Weltbild der meisten Burschen auf die des schmückenden, vor allem aber stummen Beiwerks.

3. Hierarchische Strukturen

In Burschenschaften herrscht ein starkes hierarchisches Prinzip vor, die Mitglieder müssen sich ihren Platz in der Gemeinschaft erarbeiten, so steigt mensch nach bestimmten Prüfungen und in bestimmten Zeiträumen auf. Es herrscht ein Untertanenprinzip vor, Autoritäten werden weitgehend anerkannt und nicht in Frage gestellt. Es gilt „nach oben buckeln und nach unten treten“.
Neben diesen internen Hierarchien und „Erziehungsmitteln“ wie dem Fechten von Mensuren sind Burschenschafter streng festgelegten Vorschriften unterworfen. Beispiele hierfür sind die regelmäßig stattfindenden Kneipen oder die einheitliche Kleidung, die das Eingliedern in vorgegebene Strukturen und das Unterordnen in einer konstruierten Gemeinschaft verstärken sollen.

4. Geschichtsrevisionismus
Burschenschaften und Corps treten oft geschichtsrevisionistisch und gebietsrevanchistisch auf.

So ist beispielsweise in der Satzung der „Deutschen Burschenschaft“ (DB) zu lesen, sie fordere das „Recht jedes einzelnen und jedes Volksteiles auf seine angestammte Heimat und auf die Selbstbestimmung über seine staatliche Zugehörigkeit.“
Dass damit in erster Linie auf die Zwangsumsiedlung der deutschen Minderheiten in den ehemaligen „Ostgebieten“ Nazi-Deutschlands angespielt werden soll, wird schon allein durch die Affinität zu revanchistischen Gruppierungen wie dem „Bund der Vertriebenen“ deutlich.
Genau wie dieser blendet die DB den Kontext der Umsiedlungen, nämlich die nahezu kollektive Unterstützung und Mitschuld eben dieser deutschen Minderheit am nationalsozialistischen Massenmord und die durch den zweiten Weltkrieg ausgelösten Flüchtlingsbewegungen nach Polen und Tschechien, vollkommen aus.

Der Dachverband „Deutsche Burschenschaft“
Es existieren zwei unterschiedliche burschenschaftliche Dachverbände, darunter die 1950 wieder gegründete „Deutsche Burschenschaft“, ihr unterstellt sind 120 Burschenschaften, darunter 20 österreichische, mit insgesamt 15.000 Mitgliedern.
Ein Richtungsstreit über die Forderung nach der Angliederung „deutscher Volksgruppen“ an das deutsche „Mutterland“ führte 1996 zur Abspaltung der „Neuen Deutschen Burschenschaft“ (NDB) von der DB, mit der Folge, dass diese radikale Position in der DB gestärkt wurde. So konnten 1996 die rechtsextremen „Staatsbriefe“ aus München zufrieden konstatieren, dass in nahezu allen Verbindungen der DB Verbandsbrüder anzutreffen wären, „die in irgendeiner Form national oppositionell“ gesinnt sind. In der „gemäßigteren“ NDB sind 21 Burschenschaften mit rund 4000 Mitgliedern organisiert.
Vereint sind beide Dachverbände jedoch in der völkischen Ideologie als Grundlage ihres Denkens. Getreu dieser gilt für sie nicht als „deutsch“, wer die entsprechende Staatsbürgerschaft vorweisen kann, stattdessen werden Abstammung und „Blutsrecht“ propagiert. Hieraus lässt sich wiederum der offen revanchistische Charakter der Burschen ableiten: da nach ihrer Ideologie automatisch deutsch ist, wer „deutschen Blutes“ ist, ergibt sich hieraus auch ein Anrecht auf Zugehörigkeit zur deutschen Nation und in der radikalen Ausformulierung die Anbindung von Gebieten mit „deutschen“ Minderheiten an das Staatsgebiet der BRD.
Nun soll hier keinesfalls einem modernisierten Nationalismus das Wort geredet werden, in dem zwar mittlerweile unrentable völkische Ideologeme abgelehnt, aber nach wie vor Menschen Kategorien von Nationalität und wirtschaftlicher Verwertbarkeit aufgeherrscht werden. Nichtsdestotrotz muss aufgrund der Greueltaten, die als Konsequenz der völkischen Ideologie von den Deutschen verübt wurden, diese entschieden abgelehnt und bekämpft werden.

Burschis anfechten – Vaterland versenken!
Nie wieder Deutschland!

Dieser Text wurde von der ahsg zum Vorstellungstag der Dresdner Verbindungen vor der Neuen Mensa als Flugblatt verteilt (selbstverständlich nicht von uns, sondern von der antifaschistischen Dresdner Hochschulgruppe).

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Eine Antwort zu Burschentag in Eisenach

  1. thüringer Antifaschist schreibt:

    Sehr interessant zur Deutschen Burschenschaft ist ein aktueller Artikel bei Spiegel Online. Ist vielleicht nicht das schönste Zeitungsformat, aber die Ausnahme bestätigt die Regel. Stichwort: Ariernachweis, und „befürchtete“ Spaltung und der damit einhergehende Rechtsruck der DB (ja, die kann noch weiter nach rechts rücken…)

    http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,767788,00.html

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