Schilderung des Angriffs auf das alternative Wohn- und Kulturprojekt „Ju.w.e.L. e.V.“

antifaAls am 30.11.2013 im Gothaer Volksparkstadion der 15. Spieltag der Verbandsliga, zwischen Wacker 03 Gotha und BSG Wismut Gera, statt fand, kam es im direkten Vorfeld der Partie zu einem Zwischenfall am alternativen Wohn- und Kulturprojekt „Ju.w.e.L. e.V.“ in Gotha. Zur Unterstützung des schon öfter durch neonazistische Vorfälle aufgefallenen Geraer Sportvereins kamen auch ca. 30 Nazi-Hooligans mit nach Gotha gereist. Nachdem im direkten Vorfeld des Vorfalls in der Gothaer Innenstadt Nazi-sticker (u. A. „Good Night Left Side“ und „Solidarität mit allen Nationalen Sozialisten“) geklebt wurden, rotteten sich die so genannten „Fans“ zusammen und machten sich mit einer kleinen Polizeieskorte auf dem Weg zum Stadion. Dass die inzwischen bierseelige und angetrunkene Meute, die zudem mit Quarzsand-Handschuhen und auffällig vielen Thor Steinar- Klamotten ausgerüstet war, nicht auf friedlicher Mission war, sollte auch der Polizei nicht entgangen sein. Kurz vor dem Ju.w.e.L. wechselten dann einige Personen des rechten Mobs die Straße, rissen Zaunslatten ab und versuchten damit das Gebäude zu bewerfen, zu beschädigen und sekunden später sogar einzudringen wobei eine Tür kaputt ging. Die BewohnerInnen des Hauses hatten die Lage, im Gegensatz zur Polizei, sofort richtig eingeschätzt und reagierten konsequent und entschlossen gegen den Angriff der Nazis. Durch das beherzte Vorgehen konnte ein Eindringen in das Haus verhindert, und somit körperliche und sachliche Schäden innerhalb des Hauses verhindert werden.

 

Auf dem rechten Auge blind.

Bereits am nächsten Tag titelte die lokale Presse in Form von Thüringer Allgemeine und TLZ mit der Überschrift „Fußballfans in Gotha angegriffen“, und betreibt weiter ihre ekelhafte Extremismustheorie die nicht zwischen Tätern und Opfern, gewaltbereiten Nazihools und sich verteidigenden Menschen unterscheidet. Dass es sich zum Einen nicht um einfache „Fußballfans“ handelte und auch nicht um einen Angriff auf diese, sondern eine Verteidigungsaktion auf deren Handlung, ist der Rechercheabteilung der Presse wohl entgangen. Ebenso wurde die Lage durch „einen sofortigen Polizeieinsatz der begleitenden Beamten“ nicht deeskaliert, sondern eben durch die unüberlegte Wegplanung und das Nicht- Reagieren während den Beginn des Angriffs, erst provoziert. Selbst die BSG Wismut Gera Fans widersprachen dem Polizeibericht in dem sie schilderten, dass sie vorher unbegleitet auf dem Weihnachtsmarkt unterwegs waren. Auf besagtem Weihnachtsmarkt kam es auch schon zu Provokationen gegen angeblich andere. Die Polizei hingegen berichtete in ihrem TA-Artikel, dass die Nazis vom Bahnhof aus eskortiert wurden. Lügt die Polizei hier bewusst um ihren mehr als miserabelen Polizeieinsatz zu rechtfertigen?

 Fehleinschätzung, Bosheit oder doch Lethargie?

 Schon in der Vergangenheit kam es des Öfteren zu kleinen Zwischenfällen in der Hersdorfstraße, da zu Fußballspielen ins Volksparkstadion schon mehrfach größere Gruppen, von rechtsoffenen Ultras bis hin zu organisierten Neonazis, zum Stadion hier entlang geführt wurden. Einige Fragen an die Thüringer Staatsschützer bleiben jedoch offen. Warum werden Nazis nicht schon am Geraer Bahnhof erkannt und diese Info dann an die hiesige Polizeiinspektion weitergegeben? Warum werden die Nazis nicht an Aktionen wie Sticker kleben und dem offensichtlichen Provozieren mit Quarzhandschuhen, trotz Polizeieskorte(!!!), gehindert und können ihren Weg ungehindert fortsetzen? Warum wird die Gefahr im Vorfeld nicht erkannt, wenn rechtsoffene Fangruppierungen von einen mehr als einmal politisch fragwürdigen Fußballverein, an einem linken Wohnobjekt vorbei läuft? Warum werden sie von der Polizei überhaupt hier lang geleitet? Konsequenzen gab es auch im Nachgang für die Neonazi- Angreifer nicht, da die Polizei es nicht einmal für nötig hielt Personalien aufzunehmen. Stattdessen hetzen Presse und Staatsgewalt wieder einmal gegen Menschen die ohne beherzte Verteidigungsaktion den „nationalen Widerstand“ ausgesetzt gewesen wäre. Vielleicht wäre der Staatsgewalt zur Stressvermeidung aller Beteiligten dazu geraten, die als Fußballfans verkleideten Neonazis, einen kleinen Umweg laufen zu lassen der nicht an der Hersdorfstraße vorbeiführt.

 BSG Wismut Gera

 Der ehemalige Präsident des Geraer Fußball- Vereins (oder doch eher Sammelbecken für Neonazis?) Lars Weber ist im Oktober von seinem Posten zurückgetreten. Der 41- jährige hatte erst im Jahre 2009 eine Gerichtsverhandlung in 2 Instanzen verloren, in dem er beklagte von einem Gewerkschafter ein „Nazi“ genannt worden zu sein. Das Gericht entschied gegen den Kläger der somit bis zu seinem Rücktritt sogar rechtlich als Nazi bezeichnet werden durfte und trotz allem den Führungsposten des Vereins innehatte. Zusätzlich ist sein Facebook- Synonym „Pat Riot“ und es existiert auch ein Foto einer „sportlichen“ Wettkampfehrung auf dem er mit dem Holocaustleugner und hessischen Ex- NPD Mann (inzwischen Freie Kameradschaften) Marcel Wöll, zu sehen ist. Im Zwickauer Neonazi Shop und Online- Vetrieb „Eastwear“ ist auch ein Shirt mit dem Namen „Lars Weber“ erhältlich. Auch nach dem Rücktritt ist das Engagement von Weber bei der BSG Wismut noch lange nicht beendet: Neben dem Sponsoring stellt sein Sicherheitsunternehmen „Alpha DSD“ immer noch die Security für die Heimspiele. Laut Recherchen der TAZ wurden in der Vergangenheit zudem Trainingseinheiten der Nachwuchsmannschaft mit „Heil Hitler!“ begonnen und mit „Sieg Heil!“ beendet. Wer jetzt denkt hier ist Schluss der wird jetzt eines besseren belehrt: von einem Spieler der ersten Mannschaft von Wismut Gera existiert ein Foto auf dem er mit einem Shirt samt folgender Aufschrift zu sehen ist: „Team Mengele, World Champion of Ethnic Cleansing, Auschwitz 1941“.

Solidarität mit den BewohnerInnen des „Ju.w.e.l. e.V. Gotha“

Wir möchten hiermit unsere uneingeschränkte Solidarität mit den BewohnerInnen, allen aktiven VerteidgerInnen und HelferInnen bekunden! Die Geschehnisse am 30.11.2013 haben wieder einmal gezeigt das auf Staatsschützer kein Verlass sein kann, Neonazi- Angriffe zu jeder Tages- und Nachtzeit möglich sind und ein antifaschistischer Selbstschutz immer notwendig bleiben wird. Organisiert Euch gegen Neonazis, rechte Hooligans und rechtsoffenes Bürgertum!

 Konstruktiv und Bürgernah – Autonome Antifa!
AAGTH Dezember 2013

Bilder:

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4 Antworten zu Schilderung des Angriffs auf das alternative Wohn- und Kulturprojekt „Ju.w.e.L. e.V.“

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