Abschiedsworte an die Initiative „Lange 17“ aus Ilmenau

Wir, eure ehemaligen „falschen Verbündeten“, sagen tschüss und adieu. Schade eigentlich, hätte Ilmenau ganz gut gestanden. So ein Projekt mit emanzipatorischem Anspruch. Wir wollen euch jedoch noch ein paar Kleinigkeiten mit auf den Weg geben.

Wenn ihr wirklich vorhattet/habt ein Projekt praktisch zu verwirklichen welches auch nur annähernd eurem Selbstverständnis (bzw. dem auf eurer Homepage) entspricht, dann geht das nicht zusammen mit den Leuten, die vor Ort damit beschäftigt sind die Welt so wie sie ist am Laufen zu halten. Wenn solche Schlagworte wie „Kapitalismuskritik verwirklichen… Solidarität leben… soziale Ausgrenzung überwinden… Schutzzonen aufbauen…“ (Selbstverständnis Lange17) nicht nur leere Worthülsen sind, sondern echter Wunsch, der auch in der Praxis erkennbar sein soll – dann werdet ihr irgendwann zwangsläufig in Konflikt mit den Institutionen geraten, vor denen ihr uns (die radikale Linke) so eklig denunziert habt.

Wie wollt ihr die Welt verbessern, ohne den jetzigen Zustand zu kritisieren und die Verhältnisse die dafür sorgen das alles so ist wie es eben ist, mit all den Ungerechtigkeiten, anzugreifen? Der Zug für ein annähernd selbstverwaltetes Zentrum ist für Ilmenau vorerst eh abgefahren. Solltet ihr wieder erwarten doch ein Gebäude bekommen, dann werdet ihr eure Ansprüche wohl hinter den Erwartungen eurer Gönner zurückstellen müssen.

Aus aktuellem Anlass wollen wir etwas genauer auf euren Anspruch eingehen mit dem Projekt einen Schutzraum für Betroffene rassistischer, sexistischer und homophober Anfeindungen zu schaffen. Auch in Gotha gibt es ein Projekt mit ähnlichen Ansprüchen. Dieses wurde am Samstag den 30.11. 2013 von etwa 30 Nazi-Hools angegriffen. Verwundert (leider) auch nicht, denn wer sich gegen Neonazis engagiert muss eben damit leben das so etwas passieren kann. Die Polizei wartete in sicherer Entfernung auf dem nahegelegenen Parkplatz einer Spielothek und beobachtete den beginnenden Angriff. Zaunslatten wurden herausgerissen und damit das Haus beworfen und es wurde versucht ins Haus einzudringen. Erst als sich die Bewohner_innen zur Wehr setzten und die Angreifer zurückschlugen, griff die Polizei ein. Die Angreifer durften nach einiger Zeit ohne Personalien-Feststellung abziehen, die juristischen und polizeilichen Folgen für die Bewohner_innen bleiben abzuwarten.

Auch die Bewohner_innen des Ju.w.e.L. e.V. zählten zu euren Unterstützern. Verhielten sie sich an diesem Tag friedlich, wie in der Theorie von Polizei, Rathaus und Co. immer von selbstverwalteten, emanzipatorischen und linken Projekten gefordert wird? Sicherlich nicht. Aber haben sie sich falsch oder moralisch verwerflich verhalten? Was wären in dieser Situation die Konsequenzen eines absoluten Gewaltverzichts gewesen? Die Frage nach der „Gewalt“ ist eine theoretische Frage. Die Wirklichkeit zwingt uns diese Formen des antifaschistischen Selbstschutzes auf. Das ist keine „Lust auf Krawall“, hat nichts mit „autonomen Lifestyle“ oder „Militanzfetish“ zu tun, sondern ist eine Zwangsläufigkeit, die Mensch akzeptieren, und damit umgehen muss. Hättet ihr ein Haus bekommen, wäret ihr über kurz oder lang in eine ähnliche Situation geraten. Hättet eure eigenen Erfahrungen damit machen können was hinter solchen Schlagzeilen wie „Fußballfans in Gotha angegriffen“ steckt. Was so etwas auch emotional bedeutet. Oh, und besonders schön, die ersten zwei bis drei Mal kann Mensch es kaum glauben, wie sich die Freunde und Helfer in derartigen Situationen verhalten. Möglicherweise würdet ihr dann auch einige Dinge etwas anders sehen. Vielleicht müsst ihr aber auch erstmal in den Dialog mit diesem Staat treten um zu wissen was ein Dialog mit diesem Staat heißt.

In diesem Sinne: Wer den Herren den Arsch küsst wird mit ihnen untergehen!

Hier noch ein paar Links zur Situation:
Gesprächsprotokoll der Stadt Ilmenau und der Langen17 – klick
Artikel von den AGST – klick

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