Eine Einschätzung der Antifaschistischen Aktion Gotha zu Nazis, Graffitis, eingeschmissenen Scheiben, Imagepflege und einer Allianz gegen Rechts.

dude„Leider“ müssen wir erneut von etwas Abschied nehmen, obwohl wir es noch nicht einmal begrüßt haben. Nach der kleinbürgerlichen staatsergebenen „Besetzergruppe“ der „Lange 17“ in Ilmenau, fällt nun die „Ballstädter Allianz gegen Rechts“ aus der Reihe und outet sich nicht nur als vermeintlicher „Nazigegner“, sondern auch als Gegner allen dessen was unter Naziarbeit etwas Anderes begreift als Latschdemos durchs Dorf oder das Propagieren einer „bunten Gesellschaft“ durch das Anbringen von Handtüchern im Dorf.

Seit Mitte 2013 nennen ein paar der bekanntesten Nazis des Landkreis Gotha und des Unstrut-Hainich Kreises ein Haus ihr Eigen, welches in Ballstädt steht. Seit dem regt sich in diesem kleinen Örtchen Protest in Form einer „Allianz gegen Rechts“. Jeder Mensch, welcher nicht so viel Scheiße im Hirn hat, um sich mit den Nazis einzulassen oder sie zu dulden wird nun folgendes meinen: Es ist Klasse, dass es auch in solchen Provinzdörfchen ein Bündnis gibt, das sich aktiv gegen Nazis einsetzt. Auch wir waren zu Beginn noch voller positver Hoffnungen über das Bündnis. Vor allem da es von jüngeren Menschen initiiert wurde. Dies verleitete uns zu dem Fehlschluss das sie noch nicht in dieser extrem kleinbürgerlichen Weise geprägt wurden, wie dies of in anderen „Bürgerbündnissen“ der Fall ist. Pustekuchen. Ein Vorfall am 09.12. 2013 und die darauffolgende Reaktion des Bündnisses veranlasst uns nicht nur diese Reaktion kritisch zu hinterfragen, sondern vielmehr dessen Sinn als Bündnis „GEGEN“ Rechts in Frage zu stellen.

Graffitis und eine eingeschmissene Scheibe
Am 9.12. wurde eine Scheibe der Nazis in Ballstädt eingeworfen und ein paar unleserliche und rechtschreiblich fragliche Parolen an deren Hauswand geschmiert. Abgesehen davon, dass die Sprüche ein wenig fragwürdig waren, ist an derartigen Aktionen prinzipiell nichts auszusetzen. Die „Allianz gegen Rechts“ aus Ballstädt sah das jedoch anders. Als Reaktionen posteten sie im Internet folgendes Statement:

Wir sind ein friedliches Bündnis und wollen dies auch weiterhin bleiben. Wer solche Aktionen startet ist keinen Deut besser als unsere ungeliebten Nachbarn und sollte auch strafrechtlich verfolgt werden. Es liegt auch in unserem Interesse den oder die Täter zu finden da wir ein solches Verhalten nicht dulden und zur Anzeige bringen! Die ohnehin angespannte Situation im Dorf dürfte nun nicht besser geworden sein. Hoffentlich wird der oder die Schuldige bald erwischt!!“

Hier werden Menschen die gegen Faschisten vorgehen nicht nur als diese betitelt sondern, gefordert sie strafrechtlich zu verfolgen und sogar selbst mit Anzeige gedroht. Die „Allianz gegen Rechts“ vergleicht damit also ein paar Parolen an einer Hauswand und ein eingeschmissenes Fenster, mit einer faschistischen Barberei in Folge dessen Millionen Menschen ihr Leben lassen mussten. Es werden wie so oft keine Unterschiede zwischen Menschen gemacht die Sachbeschädigung betreiben, um ihrer Meinung Nachdruck zu verleihen und Menschen, welche offen antisemitisch, rassistisch, sexistisch und homophob sind, also einer menschenverachtenden Weltanschauung anhängen. Schlimmer noch, sie nehmen in Kauf, dass mit der Strafverfolgung der „Täter“ nicht nur deren Namen und Identitäten für den Polizeistaat öffentlich werden, sondern auch für die Nazis. Daraus ergibt sich nicht nur eine repressive Verfolgung der Polizei, sondern auch eine körperliche Verfolgung der Nazis.

Friedrichroda 2.0
Im Text der „Allianz gegen Rechts“ wird klar, welches kindes Geist dieses Bündnis ist. In erster Linie wird sich eben nicht zusammengeschlossen, um gemeinsam gegen Nazis vorzugehen und aufzuklären. Vielmehr betreibt das Bündnis, wie so viele Bündnisse hauptsächlich „Imagepflege“ und begreift nicht, dass das Naziproblem nicht aus der Welt geschafft ist, wenn sie von einem in den anderen Ort getrieben werden. Sie begreifen nicht das Nazis das Produkt ihres „demokratisch“ kapitalistischen Scheißsystems sind und aus ihm hervorgehen. Bevor die Mitglieder dieses Bündnisses zu dem Schluss kommen, die Nazis dort zu bekämpfen wo ihr Ursprung liegt, wird lieber die Büchse der NS-Verharmlosung geöffnet und Nazis mit Menschen, welche eine Wand besprühen, in einen Topf geworfen. Schließlich sollte das der Beweis sein, dass die dümmliche und mehrfach widerlegte Extremismusdoktrik in den Köpfen der Leute angekommen ist. Vergleiche zum Friedrichrodaer Stadtratsbeschluss aus dem September 2013 sind nicht aus der Luft gegriffen: „Wir brauchen keinen Aufmarschtourismus, weder von rechten noch von  linken Gruppen in Friedrichroda. Sie schaden dem Image unseres  Urlaubsortes erheblich. Darauf können wir gerne verzichten!“. Wir dachten bisher immer, dass die „Allianz gegen Rechts“ in Ballstädt auch zum Ziel hat aktive Arbeit „gegen Rechts“ zu betreiben, und nicht aktive Arbeit gegen „links“. Denn genau das tun Sie, zumal sie offen zur Verfolgung von vermeintlich „linken Straftätern“ aufrufen. Der Satz „Wer solche Aktionen startet ist keinen Deut besser als unsere ungeliebten Nachbarn“ spricht einfach nur Bände. Wir wollen daran erinnern, dass in dem Haus rechte Straftäter wohnen, die weitaus mehr auf dem Kerbholz haben als ein paar Graffitis. Wir erreichen hier eine komplett andere Form der Gleichstellung, wenn bewaffnete Nazis (siehe die Razzien in Ballstädt und Crawinkel im August 2013, als u. A. auchSchusswaffen gefunden wurden) gleichgestellt (!!!) werden mit Graffitisprühern.  Wir schlagen daher eine Umbenennung der Allianz von „Allianz gegen Rechts“ in „Allianz gegen Alles, was uns in unseren kleinbürgerlichen Denken stört und dem Images unseres Dorf schadet“, vor. Das wäre wirklich angebracht. Denn die öffentliche Gleichsetzung von Nazis und Nazigegnern (als welche sich die Allianz eigentlich auch verstehen sollte) erreicht auch im Denken von Bürgerbündnissen eine ganz neue Dimension.

Imagepflege oder richtig die Hosen voll
Die Frage welche sich für uns stellt ist, wie sich das selten dümmliche Verhalten der „Allianz gegen Rechts“ begründet. Ist es wirklich nur die Imagepflege welche die Allianzler dazu treibt, so eine gequirlte Scheiße zu schreiben oder haben sie Schiss vor den Nazis? Wenn dem so sein sollte, fragt Mensch sich doch ob es nicht klar ist, dass wenn man gegen Menschenfeinde agiert man auch Zielscheibe dieser wird und “ Was nützt einem die Gesundheit wenn man ansonsten ein Idiot ist „*?

*Theodor W. Adorno

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